HeRaS Verlag

 

 

 

LEBENSLAUF

 

als ich geboren wurde
kam DURRUTI um

 

als ich drei war
verriet CASADO die
Spanische Republik

 

FRANCO

zog ein in Madrid

" ... Madrid, du Wunderbare ... "

 

in mein drittes Jahr fiel
GLEIWITZ GLIWICE

mein Vater rückte

ein in LUBLIN

zog über den BALKAN
nach KALAMATA

und über DEUTSCHLAND

- ach Heimat -

nach RUSSLAND bis
dreißig Kilometer vor
MOSKAU und in den Tod
ich war noch nicht sechs
neun war ich als

sein Feind mich nährte
mit bitterem Brot

 

was fing ich an

mit seiner Schuld:
mein Erbe: ich nahm es
an um meiner Liebe
willen, schwor:

 

NIE WIEDER KRIEG

 

doppelt alt als er
geworden ist sah ich
das Rad der Zeit sich
rückwärts drehn

 

Leipzig, du Wunderbare

ich sah was ich für nicht
mehr möglich hielt:

VERRAT und DUMMHEIT
siegen

 


Bei uns erschienen: 

 Tango ohne Männer

 Was Christa Müller hier vorlegt, ist ein Buch über die um ihr Lebensglück und ihren Anspruch betrogenen Frauen unseres Jahrhunderts, deren Männer, Söhne, Väter, Geliebte und Brüder in die großen Kriege zogen und gar nicht oder an Geist und Leib verstümmelt zurückkamen. Erzählt wird, ausgehend von Elsas Tod ihr Leben, das vielfältig verknüpft ist mit dem Leben und Schicksalen der älteren Generation und, über die Erzählerin, mit dem der Tochter und der Enkel.   

Der Augenblick des Todes wird für Elsa identisch mit dem Moment der Befreiung und des Glücks. Die harte Arbeit des Erinnerns, die ihre Tochter geleistet hat, geht über das Beschreiben des Gewesenen hinaus. Sie schafft einen geschlossenen Raum, in dem sich Innen und Außen begegnen.

Tango ohne Männer ist ein bemerkenswertes Buch.

Berliner LeseZeichen, Ausgabe 4/99 (c) Edition Luisenstadt, 1999

 

 

Fünf Erzählungen: Candida, Verteidigung des Katers, Die Hütte, Der Berg, Flüge

 

 

 

Fast unmerklich haben sich die Rollen vertauscht: Jetzt ist es der Sohn, der den schwereren Rucksack trägt und größer und stärker ist als die Mutter. Unmissverständlich sind die Zeichen, die auf Veränderungen deuten. Eine gemeinsame Wanderung im rumänischen Hochgebirge bestätigt es: Die Loslösung des Sohnes hat begonnen. Und ist es an ihr, der Mutter, ihn freizugeben aus der engen Bindung, die ihr Schutz war gegen Ängste und Einsamkeiten. Sie glaubt, keine Furcht zu haben vor dem Moment, in dem der Sohn beginnen würde, Wege zu gehen, die ihn von ihr wegführen. Aber später dann, im Alltag, erlebt sie die Trennung voller Konflikte und Verletzungen. Und brüchig geworden ist auch ihre frühere Sicherheit, die sie solange trug, wie sie eigene Lebenswünsche verleugnete. Sie wehrt sich, wenn wieder Rücksicht von ihr verlangt wird und Einsicht im Namen der Vernunft und der Verantwortung. Sie übt: sie trainiert den Ungehorsam.

 

 

 Vier Erzählungen: Auf Erden, Die Schande, Berührung mit dem Tau, Holderstrauch

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