HeRaS Verlag

 

Beate Morgenstern liest: "Wut"

Aus: "Eine Frau schon in den Jahren und andere Mördergeschichten"

//youtube.com/watch?v=7LRjn5CarZ4

  

Helmut H. Schulz liest aus:

"Meschkas Enkel"

http://youtu.be/nv9itMjytZA

 

Gerhard Schumacher liest aus:

"Wollschlägers"

http://youtu.be/8wShuKUmx6s

 

Christa Müller liest aus:

"Tango ohne Männer"

//youtube.com/watch?v=U2aYPGzvcJE

 

Katrin Ludwig liest aus:

"Ein kleines Ei ist auch ein Huhn"

//youtube.com/watch?v=8EaS3PNSW7c&feature=youtu.be

  

Erhard Scherner liest aus:

"Konstantin Mugele erzählt"

http://youtu.be/zjh8wNLfkqg

 

Gunter Preuß liest:

"Grauer"

http://youtu.be/x9kCuLPmkDY

 

Antje Wilding liest:

"Blitzweide"

 http://youtu.be/P0hPxWibjxk

 

Hans Müncheberg liest aus:

"Project Mercury"

https://www.youtube.com/watch?v=1F3vcFSVCOs

 

Regine Roeder-Ensikat liest aus

"Pech"

https://www.youtube.com/watch?v=pNypeoQc-PI

 

Leseproben

 

 

Als er klingelte schlug der Hund an. Strecker hörte Hornungs Stimme im Haus.

Halts Maul Müller und das Gebell ging in verärgertes Knurren über.

Strecker hatte ein etwas sehr differenziertes Verhältnis zu vierbeinigen Tieren. Von der Existenz eines Hundes hatte Hornung nichts gesagt als er sie in sein Haus einlud. Strecker bekam sofort eine Gänsehaut auf den Armen. Die Tür wurde geöffnet.

Strecker, schön Dich zu sehen. Du bist der Erste des Ensembles, willkommen in meiner Hütte alter Kampfgefährte, tritt ein.

Hornung zeigte auf einen mittelgroßen Mischling mit grauem Fell, das ist Müller, wenig Hund, viel Mensch, große Klappe, nichts dahinter. Er lachte.

Dann nahm er seinem Gast die Reisetasche ab, führte ihn die Treppe hoch durch einen langen Korridor, von dem links und rechts verschiedene Zimmer abgingen. Das Haus wirkte von innen betrachtet wesentlich größer als man es von außen vermuten würde.

Hornung zeigte Strecker sein Zimmer für die Tage seines Aufenthalts. Das Bad befände sich hinter der roten Tür an der Stirnseite des Flurs. Strecker sollte sich ohne Zeitdruck frisch machen und anschließend auf ein erstes Glas nach unten in die Bibliothek kommen. Mit einer flüchtigen Geste der linken Hand winkte er Strecker zu und stieg daraufhin die Treppe wieder hinab.

 

Sie saßen in ledernen Clubsesseln inmitten von Regalen, die bis an die Decke reichten und alle vier Wände einnahmen, lediglich die Tür und das große Fenster waren ausgespart. Es mussten einige tausend Bücher sein, die in den Gestellen standen oder übereinander lagen und einen Eindruck chaotischer Ordnung hervorriefen.

Wieviel sind es, fragte Strecker.

Hier im Raum, vier- oder fünftausend vielleicht, ich habe sie nie gezählt, nur überschlagen. In meinem Arbeitszimmer gibt's noch mehr, im Schlafzimmer auch und einige musste ich in den Keller auslagern. Gott sei Dank ist der trocken. Ab und zu tausche ich sie ein wenig aus, hundert gehen runter, dafür kommen hundert wieder rauf. Der Versuch, so etwas wie einen Kreislauf zu simulieren. Es kommen ja auch ständig Bücher dazu, antiquarisch und neu, je nachdem. Der Markt ist sehr produktiv. Gut, das meiste davon ist Schrott, aber es bleibt noch genügend Qualität übrig, die mir aus platztechnischen Gründen das Leben schwer macht. Aber was soll's, das ist mein Schicksal, da muss ich durch. Hornung macht wieder diese flüchtige Geste mit der linken Hand.

Wie bist du eigentlich an unsere Adressen gekommen, wollte Strecker wissen. Ich meine, wir hatten fast vierzig Jahre keinen Kontakt mehr miteinander.

Das war nicht weiter schwierig, antwortete Hornung. Zunächst ist da das Internet. Wer dort einmal drinsteht, der bekommt den Eintrag nie wieder raus. Man muss nur die richtigen Fragen stellen. Aber das brauchte ich gar nicht. Im Netz habe ich Andrea gefunden. Sie ist Anwältin, es war eine Kleinigkeit für ihre Kanzlei, eure Adressen herauszubekommen. So einfach ist das. Und wenn ich nicht gleich auf Andrea gestoßen wäre, ich bin Autor, vergiss das bitte nicht, Recherche ist mein tägliches Brot.

Ja, das tägliche Brot, sagte Strecker.

Hornung goss Wein nach. Sie schwiegen einen Moment. Müller lag vor ihnen und blinzelte sie abwechselnd an, als wollte er den Zusammenhang zwischen seinem Herrn und dem Besucher ergründen.

In ihr Schweigen hinein klingelte es und Müllers erneutes Bellen erstarb jäh, als ihn Hornungs "Halts Maul" Kommando traf. Der Köter gehorcht auf's Wort, dachte Strecker, das muss man ihm lassen.

Hornung führte Andrea Lenz in den Raum, ging dann aber nach der flüchtigen Begrüßung sogleich mit ihr ein Stockwerk höher, Zimmer und Bad zeigen.

Kurz darauf kamen auch Monika Bergmann und Lorenz Kolb an, die Prozedur des Einweisens wiederholte sich. Es dauerte beinahe eine Stunde, bis alle endlich in der Bibliothek zusammensaßen und den Begrüßungsschluck Rotwein tranken.

Monika wollte lieber Bier statt Wein (alte Gewohnheit, wenn's möglich ist Hornung, nur wenn's möglich ist, bloß keine Umstände meinetwegen). Es war möglich. Während Hornung Wein und Bier eingoss schaute Strecker aus dem Fenster auf den Fuhrpark, der sich vor dem Haus versammelt hatte.

Den Karossen nach zu urteilen geht es uns blendend, sagte er.

Bombig sozusagen, bemerkte Kolb und hob sein Glas gegen das Licht.

Seid alle willkommen am Tisch unterm Pflaumenbaum, (Franz Josef Degenhardt) würde Väterchen Franz jetzt singen. Aber der ist, wie unser Genosse Böhme, nicht mehr von dieser Welt. Hornung hob sein Glas, wir haben uns eine sehr lange Zeit nicht gesehen noch gesprochen. Ich freue mich, dass ihr meiner Einladung gefolgt seid. Also nochmals: Willkommen in meiner Hütte, möge sie die Eure sein, solange ihr es wünscht.

Sie tranken.

Hütte ist gut, kicherte die Bergmann, erinnert ihr euch noch an den Spruch: Friede den Hütten, Krieg den Palästen? (Georg Büchner) Also dein bescheidenes Heim, Hornung, hat für mich wenig Ähnlichkeit mit einer Hütte.

Aber auch nicht mit einem Palast, unterbrach Kolb sie, es liegt eher so dazwischen.

Da hast du recht, Andrea Lenz nickte ihm zu, Hütte ist nicht, Palast aber auch nicht. Einigen wir uns auf gehobenes Eigenheim. Kein Reihenhaus aber auch noch keine Villa. Verdient man als Autor eigentlich gut?

Nicht so gut wie als Anwältin, antwortete Hornung, aber ich will nicht klagen.

Leute, Leute, mischte sich Strecker ein, jetzt sind wir nach etlichen Jahrzehnten gerade mal eine halbe Stunde zusammen und schon schwirren wieder Hader und Händel durch die Atemluft. Wenn das auf diesem Niveau weiter geht, sehen wir ausgesprochen heiteren Tagen entgegen. Ich hoffe, du hast genug Wein im Keller Hornung. Hast du, nun sag schon, hast du?

Hornung nickte lachend, für die nächsten fünf Jahre müsste es reichen.

Fünf Jahre?, wiederholte Strecker, eine gute Zeit. Danach müssen wir eben auffüllen, was soll's.

Kolb stand auf und lehnte sich mit dem Rücken an ein Bücherregal. Ich habe ein kleines Problem, ich kann unser Treffen hier nicht so recht einordnen. Wie soll ich die Einladung verstehen? Als Veteranentreffen mit launigen Erinnerungen an unserer glorreiche Vergangenheit, als besseres Klassentreffen mit entsprechendem Bewusstsein und dessen Erweiterung im Laufe der Zeit? Oder haben wir etwas aufzuarbeiten, die letzten vierzig Jahre vielleicht, unter besonderer Berücksichtigung der allerletzten fünfundzwanzig Jahre, als Selbsthilfegruppe oder so ähnlich? Oder hast du, Hornung, endlich den todsicheren Weg in den Sozialismus gefunden und willst mit uns die erste Zelle der neuen Gesellschaft gründen? Ich bin bei allem dabei, ihr müsst mir nur sagen, um welche der Varianten es sich handelt. Das würde ich schon gerne wissen, bevor es losgeht.

Bleib geschmeidig Kolb, lachte Hornung, nichts von dem, was du befürchtest trifft zu. Oder besser gesagt, es trifft von allem ein bisschen zu, das erfasst es besser.

Die Sache ist im Grunde genommen ganz einfach. Als ich vom Tod Böhmes las, kam mir die Idee, unsere alte Truppe wieder einmal zusammenzurufen, ehe einer nach dem anderen von uns in die Grube fährt und der Rest bekommt es nicht mit. Immerhin haben wir damals eine gute Weile zusammen gelebt, zusammen gearbeitet, zusammen demonstriert und...

Zusammen gevögelt, unterbrach ihn die Lenz, das sollten wir mal nicht vergessen, oder habt ihr aus eurem Gedächtnis gestrichen, wie wir gevögelt haben, untereinander, übereinander, miteinander und mit anderen, es war doch alles in allem ein schönes freies wildes Leben damals. Manchmal denke ich mit einer gewissen Wehmut daran, manchmal sehne ich sie auch zurück, diese Zeit. Wenn ich so an meinem Schreibtisch sitze und bedenke, was aus mir geworden ist...

Eine Schreibtischtäterin ist aus dir geworden Andrea, eine Schreibtischtäterin, aber lass mal gut sein, uns geht es ja nicht wirklich anders, oder? Hornung blickte fragend in die Runde, als sei er auf Ausgleich bedacht. Nein, ich dachte einfach, es wäre doch schön, nach all den Jahren wieder einmal für ein Wochenende zusammen zu sein. Was wissen wir denn über uns, ich meine nach der Zeit, an die Andrea mit Wehmut denkt. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich würde gerne wissen, was aus den Genossen geworden ist, mit denen ich vormals die Welt aus den Angeln heben wollte. Interessiert euch das etwa nicht?

Vielleicht ist das gar nicht so gut, wenn wir voneinander wissen, was aus uns geworden ist, sagte Strecker. Eins steht doch wohl fest, die Welt haben wir nicht aus den Angeln gehoben, vielmehr haben wir sie noch fester in den Angeln verankert. Will jeder von euch wirklich wissen, wie er versagt hat?

Moment mal, fuhr die Bergmann dazwischen, du hast vielleicht versagt Strecker, du vielleicht, kann ich nicht beurteilen. Aber du kannst dein Verhalten nicht verallgemeinern. Ich jedenfalls fühle mich keineswegs als Versagerin. Ganz sicher nicht.

Ist ja gut, Mutti, beruhige dich, entgegnete Strecker.

Du nennst mich nicht Mutti, du Machoarsch, du nicht...

Wirklich Paul, das musste ja jetzt wohl nicht sein, sagte die Lenz.

Na ja, wo er recht hat, hat er recht, meinte Kolb, wir können unsere Entwicklung ja nun nicht im Nachhinein verbiegen. Doch tröstet euch, rückwärts nimmer, vorwärts immer, wie ein gewisser Staatenlenker saarländischen Ursprungs vor langer Zeit von sich gab. Unsere Zeit ist sowieso abgelaufen, es ist in die Hose gegangen, unser Experiment, das sollten wir uns eingestehen, wir haben versagt, auf der ganzen Linie, Mutti hin, Machoarsch her. Und auf einer Stufe mit unserem Versagen steht das unserer Enkel, denn es sieht nun wirklich nicht danach aus, als würden die es besser ausfechten.

Ich mach euch mal einen Vorschlag, meinte Hornung...

Schon wieder einen?

Ja, schon wieder einen. Also, bevor wir uns hier auseinandernehmen ehe das Wochenende überhaupt begonnen hat, sorge ich erst einmal für ein Abendessen, das sich hoffentlich sehen lassen kann. Ich habe da etwas vorbereitet. Dazu der passende Wein und die Welt schaut schon viel freundlicher aus der Wäsche. Was haltet ihr davon?

Ja Papa, sagte die Lenz, und in fünfzig Jahren ist alles vorbei.

Hornung hob die Schultern, machte diese flüchtige Geste mit der Hand und zog sich dann zurück, man konnte ihn bald darauf in der Küche hantieren hören. Die Bergmann meinte, ihm helfen zu müssen und verließ ebenfalls den Raum. Strecker und Kolb nahmen Bücher aus den Regalen, blätterten darinnen unaufmerksam flüchtig herum, stellten sie zurück, nahmen sich neue und so fort.

Die Lenz goss sich Rotwein nach, trank in langen Zügen, kramte in ihrer Handtasche und brachte ein Päckchen Schwarzer Krauser sowie Papier zutage. Sie drehte sich eine Zigarette mit der Hand, ohne Maschine und suchte dann nach Streichhölzern oder einem Feuerzeug.

Hat einer von euch Feuer, ich finde nichts in meiner Tasche.

Kolb sagte, er sei Nichtraucher, schon immer, es täte ihm leid, ihr nicht helfen zu können. Strecker hatte ebenfalls kein Feuer und meinte, auch er habe noch nie in seinem Leben geraucht.

Also bei Kolb kann ich mich nicht erinnern, sagte die Lenz, aber du hast doch früher gequalmt wie ein Hochofen, tu doch jetzt nicht so.

Du irrst dich, Andrea. Einmal abgesehen davon, dass ein Hochofen nicht qualmt, ich habe nie geraucht, nimm das bitte zur Kenntnis.

Mir kommen die Tränen Strecker, So schnell konnte ich gar nicht drehen, wie du mir die Luschen weggeraucht hast. Da hast du wohl mächtig was verdrängt.

Habe ich nicht nötig meine Liebe, ich habe in der Tat nie geraucht. Was weiß ich, wer dir deine, wie sagst du?, Luschen weggequalmt hat, ich war es jedenfalls nicht.

Und die Joints, an die Joints die du dir reingezogen hast, an die kannst du dich wohl auch nicht mehr erinnern, was? Und die Zigarette danach, die du immer lauthals eingefordert hast, nachdem wir gevögelt haben? Alles nicht wahr? Mensch Strecker, erzähl mir doch nichts vom Pferd.

Strecker schwieg, Kolb steckte seine Nase tief in einen großformatigen Bildband über Nepal und drehte ihnen den Rücken zu.

Spießer, elende Spießer, sagte die Lenz, was ist bloß aus euch geworden? Ihr seid ja verkommener als ich selbst und das will was heißen, ich muss es schließlich wissen. Sie schüttelte den Kopf und verließ das Zimmer, um in der Küche Feuer aufzutreiben.

Hast du wirklich nie geraucht, fragte Kolb, ich kann mich gar nicht mehr erinnern.

Na ja, richtig geraucht habe ich nicht, vielleicht ab und zu eine Kippe, mehr war nicht, antwortete Strecker.

Warum gibst du das denn nicht zu, da ist doch nichts bei.

Weil die Lenz wieder so verdammt rechthaberisch daher kommt, deswegen. Ganz wie früher. Das hat mich schon immer zur Weißglut gebracht. Strecker stellte den Bildband wieder zurück an seinen Platz im Regal. Dich hat ihr Verhalten doch auch immer geärgert. Wir haben uns oft genug deswegen mit ihr gestritten, dass die Fetzen flogen. Das kannst du doch nicht vergessen haben. Selbst beim Vögeln wollte sie immer oben liegen. Die Missionarsstellung war ihr nicht feministisch genug. Daran musst selbst du dich noch erinnern, oder hast du nie mit ihr gevögelt?

Kolb lachte. Mensch Paul, das ist vierzig Jahre her, mehr als eine Generation. Inzwischen ist sehr viel Wasser den Yangtse hinunter gelaufen. Willst du wegen der alten Geschichten hier und heute einen Aufriss machen? Lohnt sich nicht, glaube mir. Wenn wir nun schon mal hier sind, sollten wir uns an den Gegebenheiten orientieren. Das Treffen kann auch eine Chance sein. Geh doch die Sache mal von dieser Seite an. Auf jeden Fall denke ich, du solltest das Ding hier nicht wegen alter Geschichten und dummer Kleinigkeiten sprengen noch bevor es überhaupt begonnen hat, ok?

Die Lenz kam mit brennender Zigarette aus der Küche, ging quer durch den Raum und blieb vor Strecker stehen. Wie isses, Paul, willste mal ziehen? Auch wenn man nie in seinem Leben geraucht hat, man kann noch im hohen Alter damit anfangen. Gesundheitlich hast du jedenfalls nichts mehr zu befürchten. Ehe der Krebs weiß, was er tun muss, bist du längst in der Grube. Sie nahm einen tiefen Zug und blies Strecker den Rauch ins Gesicht.

Du bist noch dasselbe Arschloch wie früher, Andrea, sagte er und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn.

Die Lenz lachte, du auch Paul, du auch.

 

 

  

Hier will ich anmerken, dass die Bürger von Münster bereits vor einiger Zeit begannen aus der Stadt zu ziehen. Dies geschah bereits ehe die Taufe nach Münster kam – ein Jahr oder drei vorher. Sie haben einen Teil der Räte von Münster gefangen, einige Domherren und Edelleute, die in Münster wohnten und Bürger von Münster waren. Dieselben haben sie bei Nacht geholt und in ein Städtchen, genannt Telget (Telgte) gebracht; das liegt eine Meile Weges von Münster (26. Dezember 1532). Wie diese Sache ausgegangen ist, darüber kann ich nicht schreiben.

Nun hat der Pfaffe Stutenbernt in einem Dorf namens St. Mauritius, was in einer Kanonikerei nahe Münster liegt, gepredigt. Als dieser Pfaffe zu predigen begann, sind die von Münster zu ihm gezogen, und alle hörten die Predigten. Am Ende ist der Pfaffe noch in die Stadt gekommen, um zu predigen, damit auch der Letzte noch seine Predigt hören soll. So ist diese ganze Sache ganz schnell und tief verbreitet worden, dass sie nicht wieder rückgängig gemacht werden konnte. Über die Predigten dieses Pfaffen ist es zu großer Zwietracht zwischen dem Rat, den Bürgern und der Geistlichkeit in der Stadt Münster gekommen. So ist dieser Pfaffe an der Zwietracht in Münster Schuld.

 

Im Jahre 1532 (das genaue Datum ist nicht bekannt) schrieb Philipp Melanchton an Rothmann: „Nichts hat sich jemals wider meine Erwartung zugetragen, als dass ich vernehme, dass Sie die Taufe der Kinder verwerfen und verbieten. Kein Gelehrter hat solches bisher getan. Über viele andere Meinungen ist zwar gestritten worden, alle aber sind der Meinung gewesen. Die Taufe der Kinder sei entweder erlaubt, oder sie sei notwendig. Ich bitte Sie deswegen gar sehr, und um Christi willen, dass Sie die Ruhe der Kirche beherzigen, und die Kindertaufe nicht abschaffen, denn es ist kein Grund vorhanden, warum es nötig wäre, sie abzustellen. Da es dem also ist, ist es wohl ratsam, dass ohne Ursache ein so großes Ärgernis und so große Unruhen erreget werden? Sie sehen, was ich davon denke. Zwar vermute ich schon, wie hoch mein Urteil bei Ihnen werde angeschrieben stehen. Dem ungeachtet habe ich es Ihnen doch schreiben wollen, und das fürnämlich deswegen, weil ich andern eben das geschrieben habe. Wollte Gott! Geliebter Freund, wir könnten mit vereinigter Mühe diejenigen Schriftstellen erläutern und erklären, welche der Kirche notwendig sind. Wir haben, wie Sie sehen, Feinde genug. Diese hätten nichts lieber, als dass wir uns durch gegenseitige Zwietracht aufrieben, und als Brüder uns umbrächten. Christus wolle Ihren Sinn, mein Werthester, zum Preise des Evangeliums, lenken. Einige scheinen sich hauptsächlich darauf zu legen, dass sie das, was die Heilige Schrift in sich enthält, nach dem Sinn der Welt drehen; welches nicht allein gefährlich ist, sondern auch wider Gottseligkeit streitet. Obschon ich keiner von denen bin, die viel auf abgeschmackte Meinungen halten; so sehe ich doch, dass die schlauesten Köpfe, welche den geistlichen Sinn in einen weltlichen verwandeln wollen, bisweilen sich betrogen finden.

Dieses habe ich Ihnen aus guter Meinung zu schreiben mir die Freiheit nehmen wollen, indem ich es mit Ihnen sowohl, als mit der Kirche sehr gut meine. Leben Sie wohl.

Philipp Melanchton“

 

Dann sind die Holländer und Friesen gekommen. Die Bösewichter von ihnen, die sonst nirgends bleiben konnten, zogen nach Münster und versammelten sich hier. Die Obersten von den Wiedertäufern in der Stadt Münster sind die Holländer und Friesen und einige Bürger der Stadt Münster gewesen: Johan Mathis, ein Prophet, Johan van Leyden, ein Prophet, Heinrich de Holländer, Schlachtschaep, Klopriss, Stutenbernt. Diese waren Predicanten; und von diesen Predicanten gab es noch viel mehr, doch ich habe ihre Namen nicht behalten. Ferner gab es noch von den Bürgern der Stadt Münster Oberste: Knipperdollingk, Kipenbroick; die anderen Namen konnte ich mir nicht merken.

So hat der genannte Stutenbernt ein Jahr oder länger in der Stadt gepredigt, ehe die anderen Predicanten gekommen sind, die ich schon genannt habe. Damit ist die Lehre mehr und mehr durchgesetzt worden. Dieser Pfaffe hat in der St. Lambertikirche und der Pfarrkirche gegen den Rat und gegen die gesamte Geistlichkeit der Stadt Münster gepredigt. In der St. Lambertikirche hat er einige Zeit gepredigt, was dem Pastor der Kirche nicht behagte. Deshalb stieg dieser Pastor auf den Predigerstuhl und begann ebenfalls zu predigen; und sie stritten untereinander bei der Predigt, so dass ein lautes Lachen in der Kirche war. Der Pastor war Magister T. Camener, Rektor der Domschule zu Münster. Stuten-bernt hatte aber die Kirche von einem anderen Pfaffen der Stadt gekauft. Deshalb konnte er in der Kirche predigen und hatte das Recht dazu.

In Münster pflegte ein ehrlicher Rat zu sein, vom Bürgermeister über die Ratsherren zu den Altermännern und es war eine gute Ordnung in der Stadt. Bis der genannte Stutenbernt begann in der Stadt zu predigen; da begann der eine Bürger gegen den anderen zu sein und ein Teil der Pfaffen gegen den anderen, so dass sie nicht mehr einträchtig waren in Münster und der eine gegen den anderen stritt.

Es war zu dieser Zeit der Bruder des Bischofs von Köln, Friederich von Wiede, Bischof in Münster (1522-1532). Dieser Bischof hatte einmal den Knipperdollingk gefangen. Dieser Knipperdollingk hatte sein Leben verwirkt, denn er hatte einen gewalttätigen Aufruhr unter den Bürgern angezettelt. Zuletzt jedoch wurde er begnadigt und von seinem Bruder freigekauft.

Ferner hat dieser Bischof Friedrich von Wiede, dem Pfaffen Stutenbernt das Betreten der Stadt verboten und ihn geheißen, aus dem Lande zu ziehen, damit er nicht länger in der Stadt Münster predigen kann. Aber ein Teil der Bürger, die ich bereits genannt habe, die haben den Pfaffen in die Stadt geholt und geschützt, so dass der Bischof ihm die Stadt nicht verbieten konnte.

In der Zeit des Bischof Friedrich von Münster ist im Stift von Münster ein Heer gewesen, denn sie haben sich nicht mit dem Bischof vertragen können. Sie waren gegen ihn und wollten ihn nicht anerkennen. Darum verließ der Bischof Münster und übergab die Stadt dem Bischof von Osenbrugk und Palborne (Paderborn), Erich von Sachsen, damit dieser ein Heer zum Stift sende und das Land regiere. Die Stadt Münster und ein Teil der anderen Städte wollten hingegen nicht zulassen, dass Friederich das Land übergibt. Hinzu kam, dass die Ritterschaft gemeinsam mit Bischof Friedrich von Münster und dem Bischof von Osenbrugk und Palborne erreichen wollten, dass dieser der Bischof von Münster sein solle. Es war von allen viel zu tun, ehe bewilligt wurde, dass der Bischof von Osenbrugk Bischof von Münster wurde.

Es ist auch zu Bischof Friederichs Zeiten zu Münster geschehen, dass sich ein Teil der Jugendlichen mit einigen Bürgern der Stadt verbündet haben und in die Klöster Münsters liefen und sich in jedem Kloster mit Suppe begossen statt sie zu essen – nur zum Zeitvertreib; und sie wussten nicht, was sie sonst noch für Unfug treiben sollten.

So haben sie noch viel Unfug gegen die Domherren und die Geistlichkeit in der Stadt getrieben. So sind die Jugendlichen, ein Teil der Bürger, Studenten und Amtsgesellen am Fastnachtsabend zusammengekommen, um Unsinn zu treiben. Sie begannen mit den Pastoren und den Mönchen, denn ein Teil von ihnen hatte sich aufgemacht, und schütteten das Weihwasser auf die Straße und trugen das Heiligtum in der Stadt herum, genau so, wie es die heiligen Domherren zu tun pflegen, und betrieben so viel Böses in der Stadt. So hatten sie lange Zeit viel Spaß mit diesen Bosheiten. Darunter litten hingegen nicht alle Bürger der Stadt Münster, ein Teil blieb unbelästigt, die sich aber niemals um Gott, oder die Menschen kümmerten. Sie haben gesagt, das Ganze sei der Pfaffen Schuld gewesen.

Nun hatte Friedrich von Wiede dem Bischof von Osenbrugk und Palborn das gesamte Stift Münster mit allen Schlössern und Burgen übergeben. Aber Münster und ein Teil der Städte des Stiftes Münster, die sich mit der Stadt Münster verbündet hatten, wollten ihn nicht einlassen. So hatte dieser Bischof nur einen Teil des Stiftes innegehabt; insgesamt sieben Wochen lang, dann ist er gestorben (14. Mai 1532). Danach wurde einvernehmlich vom Kapitel, der Ritterschaft und der Landschaft und den Städten, Graf Franz von Waldeck, Bischof von Minden, zum neuen Bischof erkoren (1. Juni 1532). Ebenfalls haben Kapitel, Ritterschaft, Landschaft und Städte denselben Grafen zum Bischof von Osenbrugk ernannt, so dass sie alle zufrieden waren.

Während ich das aufschreibe, fällt mir ein, dass der Pfaffe Stutenbernt lange Zeit in Münster in der St. Mauritiuskirche regierte, und dass dieser Pfaffe Zwietracht zwischen den Bischöfen und den Bürgern gesät hat, so dass dieser Pfaffe der Ursprung dafür ist, dass die Uneinigkeit in das Stift Münster einzog.

So ist wohl auch zu merken und zu glauben, dass Knipperdollingk im Gedächtnis behalten hatte, dass Bischof Friederich von Wiede, Bischof zu Münster, ihn einmal gefangengenommen hatte, und dass dieser Knipperdollingk gedacht hat, die Gefängniszeit und den Schaden dem Bischof von Münster wieder heimzuzahlen. So will ich wohl glauben, Knipperdollingk habe einen Hintergedanken gehabt, denn Knipperdollingk war ein dreister und stolzer Mann. Aber der Bischof Franz von Waldeck hatte in ja nicht gefangen, aber ich denke, er musste den Schaden trotzdem erleiden. Zu aller Letzt, als die Wiedertäufer nicht mehr weiter wussten, da hätten sie wohl den Bischof Friederich von Wiede eingelassen.

Als nun aber Stutenbernt geblieben ist, hat der Rat von Münster das Verbot erlassen, dass niemand so kühn wäre, Stutenbernt oder ähnliche Pfaffen zu beherbergen. So ist dieser Pfaffe durch die Stadt gegangen und niemand durfte ihn beherbergen oder in seine Wohnung einladen. Die Krämer hatten in der Stadt ein Haus gemeinsam besessen. Dieses Haus haben die Krämer dem Pfaffen überlassen. Darin hat der Pfaffe gewohnt, gegen den Willen des Stadtrates, der Altermänner und einen Teil der Bürger in der Stadt, die mit ihm nichts zu tun haben wollten. Ein anderer Teil der Bürger wollte den Pfaffen unbedingt in der Stadt halten. So hat der Pfaffe eine Kluft in der Stadt geprägt. Das mussten sie alle von dem Pfaffen erleiden. Der Rat der Stadt und die Altermänner wollten wachsam bleiben; umso mehr, weil derselbe Pfaffe eine Kirche besetzte, wohin der einfache Mann ging, um ihn predigen zu hören. Dagegen konnte sich der Rat nicht wehren, denn die Gemeinde behielt die Oberhand, sonst wäre Gewalt angewendet worden.

 

Martin Luther schrieb an den Magistrat der Stadt Münster folgenden Brief: „Gnade und Friede in Christus unserm Herrn und Heiland! Weise und fürsichtige Herren. Wir wünschen Ihnen von Herzen Glück und danken Gott, dass Er, der Vater der Gnaden, Ihnen sein liebes Wort und die Erkenntnis seines Sohnes, Jesu Christi, aus Gnaden mitgetheilet und Sie durch seinen heiligen Geist erwecket und erleuchtet hat, dass Sie dasselbe standhaft und mit Freuden angenommen haben. Doch sind wir Ihretwegen nicht ohne Grund in Ängsten, da der alte Feind dem reinen Worte allezeit hinterlistig nachstellet, dass der betrügerische und lügenhafte Geist sich auch in Ihre Unternehmungen einschleiche, wie der heilige Paulus die Corinthier und Galater warnet. Wir bitten Sie deswegen ernstlich um der neuen Erkenntnis Christi willen, dass Sie sorgfältig und mit aller Vorsicht wachen und sich wohl vorsehen, damit Sie nicht in der Zwinglianer und anderer Schwärmer falsche Lehre von dem Sacrament aus Unbedachtsamkeit fallen mögen. Obschon Gott selbst solche Lehre mit den schrecklichsten Strafen heimgesucht hat, wie zum Beispiel an Thomas Menetrier, Tilemann, Hus, Baltasar Hubmeier und an Zwinglius selbst, an welchen allen er sich als einen abgesagten Feind einer so hässlichen Lehre bewiesen hat; so gibt es doch noch leichtsinnige und unbiegsame Gemüther, welche auf solche Strafen und Warnungen Gottes nicht achten, sondern hin und her rennen, ihr Gift austauchen, und die Einfältigen auf Abwege führen. Gott hat Ihnen zwar, wie ich vernommen habe, berühmte Prediger, besonders den Magister Bernhard gegeben; dem ohngeachtet muss man auf die teuflischen Schlingen acht haben, besonders bei diesen gefährlichen Zeiten, dass ja die Prediger erinnert und ermahnet werden, damit sie nicht schlafen, sondern wachen, und das ihnen anvertraute Volk gegen die Gräuel der Lehre, die von Menschen kommt, wohl verwahren. Der Teufel ist ein alter verschmitzter Schelm, der oft die frömmsten und geschicktesten Prediger verstricket, wovon wir, leider, viele Beispiele haben. Spiegeln Sie sich also an dem Beispiel derer, welche von dem lautern Worte Gottes abgewichen und zu den Zwinglianern oder zu den Wiedertäufern übergegangen sind, welche immer zum Aufruhr geneigt, sich in die politischen Sachen mischen und keck regieren wollen, wie selbst Zwinglius auch schon gethan hat. Es kann auch nicht anders damit zugehen, weil der Teufel ein Lügengeist und ein Totschläger ist, Johannes im 8. Cap. Wenn derohalben jemand lüget, so muss er endlich auch dafür in der Hölle brennen. Lieben Sie nun, meine Herren, den geistlichen sowohl, als den zeitlichen Frieden; so meiden Sie die hinterlistigen Nachstellungen. Eben dieses haben wir mehreren Städten zu Gemüthe geführet. Es ist aber bekannt genug, was denen begegnet ist, welche unsre Ermahnungen nicht geachtet haben. Was aber uns angeht, so wünschen wir von Herzen alle Gefahren und allen Schaden sowohl von den Leibern, als von den Seelen abzuwenden.

Unser Gott und unser Erhalter bewahre Ihren Glauben durch sein lauteres Wort unbefleckt bis zu seiner glorreichen Zukunft! Amen!

Wittenberg am Tage des Apostel Thomas 1532.

Dr. Martin Luther. Eigenhändig.

 

Als nun dieser Pfaffe sein Regiment in der Stadt ausgebaut hatte, kam die Wiedertaufe in Holland und Friesland auf, und sie begannen sich auch hier zu taufen; und sie versammelten sich, wie es die schwarzen Bauern tun. Diese selben Wiedertäufer in Holland und Friesland und in Münster nahmen es mit ihrem Glauben unbilliger, als es die schwarzen Bauern mit ihrem Glauben tun. Als nun die Wiedertaufe in Holland und Friesland stattfand, da haben die Holländer und Friesen vernommen, dass innerhalb Münsters in Westphalen ein solcher Predicant wäre, der die Stadt mit seinen Predigten in Zwietracht zwischen den Bürgern und der Geistlichkeit stürzt. Darauf sind die Friesischen und Holländischen Wiedertäufer nach Münster gekommen, und sind zu diesem Pfaffen ins Haus gegangen. Als sie in seinem Hause ankamen, da hat er ihnen den Frieden geboten, gleich wie die Predicanten tun sollten, wenn sie aus der Stadt Münster nach Soest, nach Warendorf, nach Coesfeld und nach Osenbrugk ziehen, um dort den Frieden zu bieten. Wenn diese Städte den Frieden nicht annehmen wollten, dann sollten diese Städte zur Stunde versinken. Darauf haben die Holländer und Friesen dem Pfaffen Stutenbernt ebenfalls den Frieden geboten. Diesen Frieden hat Stutenbernt angenommen und sie sind sich sehr schnell über die Wiedertaufe einig geworden.

 

Dann hat derselbe Pfaffe Stutenbernt Knipperdollingk mit seinen Gesellen zu sich gerufen, und sie haben sich heimlich untereinander getauft, so lange bis die Wiedertäufer begannen, stärker zu werden. Ab da tauften sie sich in der Stadt. Und alle Tage kamen Wiedertäufer aus anderen Landen in die Stadt, und sie wurden immer stärker. Dieser Pfaffe hatte die Taufe mit den ersten in der Stadt heimlich durchgeführt und auch heimlich in seinem Hause gepredigt, und hatte nun so viele aus dem Volke heimlich getauft, Männer, Frauen und Mädchen. So sind es in der Stadt derart viele Wiedertäufer geworden, dass sie begannen, öffentlich zu taufen, die sich taufen lassen wollten. Die Wiedertaufe entwickelte sich in der Stadt so, dass die Wiedertäufer mit ihren Predicanten und Propheten allein waren.

 

So hatten die Wiedertäufer ein freundliches Miteinander von Männern und Frauen; sie wollten mit den anderen Bürgern und Frauen nichts zu tun haben, weder Vater noch Mutter; mit niemandem wollten sie sprechen. Wenn sich die Männer auf der Straße trafen, so gaben sie sich die Hand, küssten sich auf den Mund und sagten: „lieber Bruder, Gottes Frieden sei mit dir.“ Der andere antwortete: „Amen.“ So hielten es die frommen Leute, die sich getauft haben untereinander. Die Wiedertäufer hielten sich alle für Brüder und Schwestern. So große Liebe wollten sie untereinander bewahren.

Damit hatte der Pfaffe die Herrschaft über die Stadt gehabt. Allerdings hätten die Bürgermeister und Räte gern gesehen, dass dieser Pfaffe die Stadt verlässt; aber der gemeine Mann war dagegen. Es sind dann manche in der Stadt geblieben und manche sind auch ausgezogen. Und die, die in der Stadt geblieben sind, haben an der Wiedertaufe keine Schuld gehabt, denn sie wurden zu der Taufe gezwungen, wer sich weigerte musste die Stadt verlassen. Von diesen schreibe ich auch nicht mehr. Einige haben versucht, die Predicanten aufzuhalten. Ein Teil von ihnen ist tot; ich hoffe, dass nicht alle tot sind.

 

So sind fortan die Propheten und Predicanten gekommen, die ich schon erwähnt habe, und haben in der ganzen Stadt gepredigt und haben den Jungfern in den Klöstern weisgemacht, die Köster würden versinken, wenn sie sich nicht taufen ließen. Deshalb ist ein Teil der Jungfern aus den Klöstern gegangen, um sich taufen zu lassen, und sie haben sich von falschen Propheten und Predicanten überreden lassen, so wie manche Menschen das oft tun. So haben die Predicanten so viel von den Klöstern gepredigt, dass sie versinken sollen, dass Gott so großen Zorn auf die Klöster hätte, dass sie versinken. Sie haben auf die Leute so mit ihren Predigten eingeredet, dass diese die Klöster und Kirchen betrachtet haben, um das große Mirakel zu sehen, wenn die Klöster und Kirchen versinken würden. Nun, die Klöster und Kirchen blieben stehen und versanken nicht. Da hatte ein jeder lange genug gesehen, und mochte wieder nach Hause gehen. Oh, was haben sie dem armen Volk weisgemacht! Und dies wusste noch nicht, dass die Kirchen niedergebrochen werden sollten, und dass sie noch großen Zwängen ausgesetzt sein würden.

So wurden die Wiedertäufer sehr stark in der Stadt, dass die anderen Bürger, die sich nicht taufen lassen wollten, die Stadt verließen.

Es gab in der Stadt auch einen anderen Predicanten, der stellte sich den Wiedertäufern entgegen. Dieser Predicant war ein Hesse und begann gegen die Wiedertäufer zu predigen; er hat den Leuten gesagt, was die Predicanten der Wiedertäufer vorhatten, und gleich, nachdem er es gesagt hatte, ist es auch geschehen. Auch hat der Hesse gepredigt, wer wieder von der Wiedertaufe loskommen wolle, der soll zu ihm kommen, er würde ihnen die Wiedertaufe nehmen. Dieses haben die anderen Predicanten erfahren; darauf haben sie ihn zur Stadt hinausgetrieben. Dieser ist jedoch noch einmal in die Stadt gekommen und hat nach Johan van Leyden begehrt. Der war zu dieser Zeit bereits zum König gekürt. Ich glaube, dass dieser Hesse vom Landgrafen in die Stadt geschickt worden ist, um einen Brief zu übergeben. Am Ende ist der Hesse wieder unverrichteter Dinge aus der Stadt gezogen.

    

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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