HeRas Verlag

Der Digitalverlag

Von Beate Morgenstern bei uns erschienen



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Die Zeitungen berichteten in dieser Woche von einem Mord im Park. Eine junge Frau war erwürgt worden. Gesucht wurde eine männliche Person, die ihr über Monate nachgestellt hatte, ein sogenannter Stalker. Es musste einen Kampf gegeben haben, bei dem der Stalker erheblich verletzt worden war.

Die Suche wurde nach Monaten ohne Ergebnis eingestellt. Einmal behauptete eine Frau, des Nachts Tanja gesehen zu haben. Sie hätte sich furchtbar erschrocken. Da sie aber unter Alkoholeinwirkung stand, glaubte ihr niemand, und am Ende schob sie selbst Tanjas Erscheinen auf den Alkohol. (Aus „SEIN TRAUM“)

Üblich beginnen Mördergeschichten mit der Tat, der Leser nimmt an den Ermittlungen Teil und am Ende steht der Täter fest. Nicht so in den achtzehn Geschichten mit Mördern und ohne Polizei von Beate Morgenstern in dieser kleinen Sammlung. Hier erleben wir eine Entwicklung; die Tat steht am Ende.

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... Das erste Mal durchzuckte sie Gewissheit, als sie auf einem Foto von der Überführung seinen verstümmelten Namen auf einem der Särge las: Srembery. Johanna hatte tagelang mit den Filmen zu tun, den letzten, die Armin belichtet hatte, und mit denen von der Überführung. Das zweite Mal geschah es, als Johanna sagte: Wenn sie seinen Schreibtisch ausräumen. Und nun hatte sie ihn auch tot gesehen.

Doch selbst diesem Beweis schenkte sie nicht lange Glauben. Am Tag betrat er ihr Zimmer. Er blieb in ihrem Rücken stehen. Sie überlegte, ob er jetzt überall in den Wohnungen auftauchte. Eine kleine Weile noch. Später ginge er vielleicht nur zu seiner Mutter, die sich nie trösten würde.

Aus der Erzählung „Unerwartet“ 


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In Gottshut scheint die Welt noch in Ordnung. Oben ist Gott. Unten leben die Menschen miteinander in Ehrfurcht vor Gott und in Furcht vor dem Bösen. Diese Welt kommt dem Kind Anna schon bald in Unordnung. Die Eltern ziehen um in ein Dorf im Mansfeldischen. Anna findet sich schwer zurecht. Hier ist sie nicht mehr eine von vielen, sondern »die Paschterin«. Hartnäckig versucht sie, die Barrieren zwischen Dorf und Pfarrhaus zu überwinden.

Als Erwachsene erinnert sich Anna jener Zeit, der fünfziger Jahre, und der Vorgänge im Land, die sie aus der besonderen Sicht eines Kindes wahrnahm, das fernstand. Sieben Tage ist Anna zu Besuch in Gottshut: sieben Tage des Erinnerns und der Begegnungen. Es zeigt sich ihr eine vertraute Welt, die aber nicht mehr ihre ist, und so erlebt Anna Nähe und Distanz, Verwurzelung und Entfremdung in einem. Gottshut, wie sie es im Kopf hat, gibt es nicht. 

Die Printversion finden Sie im trafo Literaturverlag, Berlin: www.trafoberlin.de


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Sieben Jahre sind es her, seit Walja am 11. September 2001 ein letztes Lebenszeichen nach Deutschland schickte. Es war eine Ansichtskarte vom World Trade Center . Die vereinbarte Zeit des Schweigens ist abgelaufen. Nun darf erzählt werden, wie ihre verhängnisvolle Geschichte an einem Juniabend 1989 im Club der Kulturschaffenden Berlin-Mitte begann, als sie sich mit Schriftstellerkollegen zum Stammtisch traf und die Kulturschaffenden in die Fänge des gewaltigen Herrn Natasian gerieten. Die Begegnung bleibt nicht ohne Folgen. Nicht für die dreizehn und möglicherweise auch nicht für die inzwischen längst vergangene Kleinrepublik, die sich Sozialistische Räterepublik Nemezie nannte. Der Romai ist eine Verbeugung vor dem Dichter von "Meister und Margerita" Michail Bulgakow.

Die Printversion finden Sie im trafo Literaturverlag, Berlin: www.trafoberlin.de

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Burkards Susanne, der bunte Hund im sächsischen Euba, angeblich auf der Kirchenschwelle abgelegt, will Kindern wie Erwachsenen beweisen: Sie ist trotzdem wer. Augen hat sie zu sehen, Ohren zu hören. So bekommt das Kind Grausames und Komisches mit, das sich in den Kriegs- und Nachkriegsjahren zuträgt. Susanne wird selbst tief in das Geschehen verwickelt, erbeutet Munition und Nahrung. Ich bring dir schon!, sagt sie zur Mutter. Der Vater ist im Krieg und wird danach in ein sowjetisches Lager abtransportiert. Als man 1990 ein Massengrab im Mecklenburgischen Fünfeichen entdeckt, wird die jetzt 52-Jährige zutiefst erschüttert.

Die Kindheit, in der sie voller Sehnsucht nach dem Vater lebte, bricht auf. In den Feldpostbriefen vergaß er nie: Viele Küsse für mein Butzemännchen. 

Die Printversion finden Sie im trafo Literaturverlag, Berlin: www.trafoberlin.de


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Als der „Zivi“ Georg bei Susanne Burkard auftaucht, ein Geiger, der im nächsten Jahr an der Weimarer Musikhochschule studieren wird, steigen in der, inzwischen 54-Jährigen Bilder auf, wie sie einst jung war und für die Kunst brannte. Vom sächsischen Euba unternahm sie Fahrten in die Westberliner Kinos, lernte den Produzenten Atze Brauner kennen und wurde endlich 1959 an der damals noch jungen, heute legendären Babelsberger Filmhochschule aufgenommen. Dozenten wie Studenten waren in Villen bekannter Ufa-Schauspieler und Industrieller untergebracht, Die Villa am Griebnitzsee, in der 1945 Stalin während des Viermächtetreffens gewohnt hatte, ein Zentrum der Hochschule. Trotz aller Zwiespältigkeit erlebte Susanne in Babelsberg vier wundervolle Jahre. Die „Ankunft“ im Alltag der Ernüchterung, ließ nicht auf sich warten, Susanne erzählt dem jungen Mann, zunehmend auch sich selbst. Beim Abschied Georgs am Ende seines Zivildienstjahres ist Susanne, als sei sie selbst noch einmal auf dem Weg.

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Bauer Friedrich Luther, Jahrgang 45, vermutlich Nachkomme der Familie des Reformators und im Land zwischen Wittenberg, Eisleben und Mansfeld lebend, erzählt Jahre nach der Wende seinem Freund, wie sich das Dorf entwickelte, nachdem »Jerards« Clan vor der Kollektivierung 1958 in den »Westen machte«, und wie Friedrichs Vater seinen nach »natürlichen Grundsätzen« bearbeiteten »Garten Eden« vor dem Zugriff der Genossenschaft rettete. Friedrich redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, munter, humorvoll in Umgangssprache, in die Mansfelder Dialekt einfließt.

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Eine Tänzerin nach der anderen stürzt sich liebeshungrig in Rosalias Arme. Spät ist sie zur Erkenntnis ihrer wahren Bestimmung, ihres wahren Glücks gekommen. Nichts weniger wünscht sie sich als das Dasein einer lesbischen Troubadoura. Doch auf der Suche nach der Einzigen findet sie im Laufe der Jahre kaum noch begehrenswerte Damen. Als die Mauern in Ostberlin fallen und die Freiheit angebrochen ist, schöpft sie erneut Hoffnung.

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Liebe hat sich Lena anders vorgestellt.

Sie lebt im Ostberlin der achtziger Jahre zwischen zwei Männern. Für den einen fühlt sie sich verantwortlich, dem anderen, verheirateten Mann ist sie sexuell verfallen. Noch fürchtet sie, von ihrem Geliebten verlassen zu werden wie all die anderen Frauen vor ihr. Allmählich wünscht sie sich, dass das Warten auf einen Anruf von ihm, auf sein plötzliches Erscheinen aufhört. Dann greift die Wende in ihr Leben ein, macht manches schwerer, anderes leichter.


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Ihr Thron wieder einmal der blausamtene Biedermeierstuhl. Als lehne sie gerade einen ihrer schlanken Arme gegen ein Polster. Sie spreizt ihr langes Bein in nicht nachzuahmender Grazie von sich, leckt mit rosa Zunge ihr schwarz-glänzendes Fell, schaut mich soeben an, schließt die Augen. Ihre Toilette hingebungsvoll. Noch einmal sieht sie zu mir herüber, rollt sich zusammen, dass kein Anfang und kein Ende zu sehen ist. Als ich später im Halbdämmer des Wintermorgens nach ihr schaue, der schwarze Fleck im blauen Samt kaum erkennbar.

Wann hat sie sich davongemacht?